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Völker und Sprachen von Malaysia

Der heutige Vielvölkerstaat Malaysia geht in erster Linie auf die britische Kolonialzeit zurück, doch bereits in den vorausgehenden Jahrhunderten waren Sprache und Völkerherkunft in Malaysia weitaus gemischter als in den meisten anderen Staaten der Region in Südostasien. Dies kam vor allem durch die geografische Lage und aufgrund der Bedeutung Melakas als internationales Handelszentrum. Vor allem hier kreuzten sich schon lange vor Ankunft der Europäer die Wege chinesischer, malaiischer, indischer und arabischer Kaufleute.

Persische und indische Kaufleute brachten im 15. Jahrhundert den Islam auf die malaiische Halbinsel, der sich seitdem als Staatsreligion etabliert hat und die vorher dominanten Religionen Buddhismus und Hinduismus weitgehend verdrängte. Die Portugiesen brachten im 16. Jahrhundert das Christentum nach Melaka, das sich jedoch trotz aggressiver Missionierungsversuche nie durchsetzen konnte. Die Briten, die ab dem 18. Jahrhundert auf der malaiischen Halbinsel präsent waren, benötigten eine Vielzahl billiger Arbeitskräfte für ihre Tee- und Gummiplantagen und die Ausbeutung der Zinn- und Goldminen. Da der Bedarf an Arbeitskräften nicht mit Einheimischen gedeckt werden konnte, holten sie Tamilen und Inder aus dem indischen Kolonialreich sowie chinesische Arbeitskräfte. Noch heute sind die chinesischen und indischen Gemeinden in den ehemaligen britischen Zentren wie Penang, Ipoh und Kuala Lumpur zahlenmäßig am größten, wo sie früher auf den Plantagen und in den Minen arbeiteten.

Der Einfluss der Chinesen

Während die indischen Arbeitskräfte häufig untereinander zerstritten waren und sich in einzelne nach Religion und Kasten getrennte Grüppchen aufspalteten, bildeten die Chinesen in Malaysia eine homogene Gruppe, die sich gegenseitig half und zugleich viel Wert auf Strebsamkeit und Bildung legte. So dauerte es nur wenige Jahrzehnte, bis die Chinesen wichtige Wirtschaftszweige wie den Banken- und Versicherungssektor vollständig übernahmen und in manchen Orten sogar zahlenmäßig stärker waren als die einheimischen Malaien.

Um die wachsende Abneigung der Malaien gegen die chinesischen „Eindringlinge“ zu mildern, sprach die britische Kolonialregierung ihnen das Recht zu, wichtige Positionen in Politik, Verwaltung und Militär zu besetzen und Chinesen den Zugang zu verweigern. Trotzdem kam es im frühen 20. Jahrhundert immer wieder zu Konflikten zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen.

Während der japanischen Besatzung Malaysias im 2. Weltkrieg wurden zahllose Chinesen enteignet und vertrieben, während das malaiische Nationalgefühl gestärkt wurde. Zugleich brachten die Japaner die Malaien gegen sich auf, indem sie die nördlichsten vier Provinzen ihren thailändischen Verbündeten übertrugen und durch den Wegfall des Außenhandels für hohe Arbeitslosigkeit sorgten. Auch nach Kriegsende und dem Abzug der Japaner blieben die Spannungen zwischen Chinesen und Malaien bestehen. Erschwerend kam hinzu, dass China selbst nach Kriegsende erstarkte und sich dem Kommunismus zuwendete, der auch unter den Chinesen Malaysias viel Zuspruch fand und das chinesische Nationalgefühl stärkte. Trotzdem wurde Malaysia 1957 in die Unabhängigkeit entlassen und erhielt eine Verfassung, die Chinesen und Malaien Gleichbehandlung zusicherte.

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Das Malaysia der Neuzeit

Obwohl sich das chinesisch dominierte und wirtschaftlich starke Singapur 1963 abspaltete, blieb der malaiische Unmut über die wirtschaftliche Dominanz und den Wohlstand der Chinesen im neuen Staat Malaysia bestehen. Vor allem unter Premierminister Mahathir bin Mohamed wurden seit den 80er Jahren mehrere Programme gestartet, die Bildung und Wohlstand der Malaien fördern sollte. Dazu gehörte der Wechsel von Englisch zu Malaiisch als offizieller Sprache für Schule und Universität, der zahllose Chinesen ausschloss.

Der Wirtschaftsboom Malaysias in den 90er Jahren führte zu einer allmählichen Angleichung der Lebensverhältnisse, doch generell ist es noch immer so, dass Malaien die Politik und das Militär beherrschen, während Chinesen die Wirtschaft dominieren.

Malaiische Sprache in europäischer Schrift

Aufgrund der langen britischen Kolonialzeit ist Englisch in Malaysia überall weit verbreitet und ist die wichtigste Sprache, in der sich Malaien und Chinesen miteinander verständigen. Touristen werden daher überall problemlos auf Englisch kommunizieren können. Ein weiterer Vorteil für westliche Besucher ist die Tatsache, dass Malaiisch in europäischer Schrift geschrieben wird und somit Ortsbezeichnungen, Straßennamen etc. überall leicht zu lesen sind. Daneben sind chinesische Sprachen wie Kantonesisch, Mandarin, Hokkien und Hainanesisch weit verbreitet. Das von den indischen Einwanderern
gesprochene Tamilisch ist als Sprache dagegen auf dem Rückzug.

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